Whitepaper · Compliance · Stand Mai 2026
TISAX für Automotive-Zulieferer: AL 2 und AL 3 in 6-9 Monaten
TISAX (Trusted Information Security Assessment Exchange) verlangen praktisch alle deutschen OEMs von Zulieferern mit Prototypen- oder personenbezogenen Daten. AL 2 (externes Audit, 2-3 Tage) reicht für Standard-Zulieferer, AL 3 für hochvertrauliche Entwicklungsdaten. Ein 60-MA-Zulieferer zahlt fürs erste Jahr 80.000-110.000 €, der Aufbau dauert 6-9 Monate.
Einordnung
Abschnitt 01
Assessment-Level: welches ist gefordert
TISAX hat 3 Assessment-Level mit progressiv strengeren Anforderungen. AL 1: Selbst-Einschätzung ohne externes Audit, gültig 3 Jahre. Reicht für Lieferanten, die nur unkritische Informationen verarbeiten. AL 2: externes Audit (typisch 2-3 Tage vor Ort), für Lieferanten mit Standard-Vertraulichkeit. Die meisten OEM-Anforderungen liegen bei AL 2 für Standard-Zulieferer. AL 3: erweitertes externes Audit mit besonderem Fokus auf Prototypenschutz, für Lieferanten mit Zugang zu hochvertraulichen Informationen (z.B. Entwicklungs-Daten zukünftiger Modelle). Die OEM gibt das geforderte Level vor. Wichtig: das einmal erreichte Level lässt sich nicht "auf Vorrat" senken — Sie müssen das aktuelle Level nachweisen können.
Abschnitt 02
VDA ISA Kataloge: was ist drin
TISAX basiert auf dem VDA ISA-Katalog (Information Security Assessment), aktuelle Version 6.0. Der Katalog enthält 41 Kontrollziele im Basis-Set, plus zusätzliche Module: Prototypenschutz (bei AL 3 verpflichtend, sonst optional), Anschluss Dritter (für IT-Dienstleister an OEM-Netze), Datenschutz (DSGVO-Konformität als Mindest-Anforderung). Die Kontrollziele decken die typischen ISO-27001-Bereiche ab: Asset-Management, Zugriffskontrolle, Kryptografie, physische Sicherheit, Betriebssicherheit, Kommunikations-Sicherheit, Lieferanten-Beziehungen, Vorfalls-Management, Business Continuity, Compliance. Plus automotive-spezifische Erweiterungen.
Abschnitt 03
Die 5 am schwierigsten erfüllbaren Kontrollziele
Aus 6 begleiteten TISAX-Projekten die häufigsten Stolpersteine: (1) Mobile Device Management mit Crypto-Container für Außendienst-Mitarbeiter — verlangt eine zentrale MDM-Lösung mit Container-Trennung von Geschäfts- und Privat-Daten. (2) Physische Sicherheit der Entwicklungs-Bereiche mit dokumentierter Zonen-Trennung — viele KMU haben offene Büro-Layouts, die ein Layout-Re-Design erzwingen. (3) Sicherheits-Awareness-Schulung mit individueller Dokumentation pro Mitarbeiter und jährlicher Wiederholung. (4) Kryptografische Schlüssel-Management mit zentraler Lifecycle-Verwaltung — Excel-Listen reichen nicht. (5) Lieferanten-Audit für eigene Sub-Lieferanten, einschließlich Cloud-Anbietern.
Abschnitt 04
Setup-Roadmap 9 Monate
Phase 1 (Monat 1): Scope-Workshop mit Geschäftsleitung + IT-Leitung, Festlegung der zu zertifizierenden Standorte und Datenklassen. Phase 2 (Monat 2-3): Asset-Inventory + Risk-Assessment nach ISO 27005, Lücken-Analyse gegen VDA ISA 6.0. Phase 3 (Monat 4-6): Maßnahmen-Umsetzung. Hier liegt der größte Aufwand (typisch 65% der Gesamt-Kosten). Phase 4 (Monat 7): Internes Audit + Mock-Audit zur Vorbereitung des externen Audits. Phase 5 (Monat 8-9): Externes Audit (2-3 Tage AL 2, 4-5 Tage AL 3), Behebung von Findings, finale Zertifizierungs-Erteilung. Die Roadmap ist ambitioniert aber realistisch. 12 Monate sind komfortabler.
Abschnitt 05
Kosten für 60-MA-Zulieferer
Beratung und ISMS-Aufbau: typisch 25-32k €. Audit-Kosten AL 2: 8-12k € (alle 3 Jahre). Tooling-Investitionen: 12-18k € einmalig + 8-15k € jährlich. Hardware-Investitionen (z.B. MDM, Crypto-Container): 8-15k € einmalig. Schulungs-Kosten: 4-6k € jährlich. Interne Personal-Bindung über 9 Monate: typisch 0.3 FTE für 9 Monate = rund 25k €. Gesamt erstes Jahr: 80-110k €. Ab Jahr 2 jährliche Kosten: 30-45k €.
Abschnitt 06
Mock-Audit: der wichtigste Schritt
In 5 von 6 begleiteten Projekten war das Mock-Audit (interne Probe-Auditierung etwa 4-6 Wochen vor dem echten Audit) der wichtigste Erfolgsfaktor. Im Mock-Audit werden alle Kontrollziele mit einem externen Auditor durchgespielt, der NICHT der echte Auditor ist (aus Unabhängigkeits-Gründen). Findings im Mock-Audit können vor dem echten Audit behoben werden, ohne dass sie offizielle Nicht-Konformitäten werden. Aus der Erfahrung: ein Mock-Audit findet typisch 12-20 Findings, davon 3-7 kritisch. Diese behoben zu haben, macht den Unterschied zwischen einer glatten Zertifizierung und einer mit Major-Non-Conformities.
Abschnitt 07
Was DripBack als Begleiter abdeckt
DripBack bietet eine TISAX-Vorbereitungs-Begleitung mit folgendem Leistungs-Umfang: DSGVO-/ISMS-Audit-Suite als Tooling-Grundlage. Klassische ISMS-Beratung als Tagessatz-Leistung. Penetration-Test über zertifizierten Partner. AVV-Templates für die häufigen Cloud-Anbieter. Mitarbeiter-Awareness-Schulungen als Standard-Paket. Mock-Audit-Vorbereitung mit Standard-Checkliste. Wichtig: DripBack ist NICHT TISAX-Auditor (das wäre ein Interessenkonflikt). Wir empfehlen für das echte Audit qualifizierte Auditoren wie TÜV, DEKRA oder DQS. Eine Liste eigenständiger Auditoren stellen wir Customer auf Anfrage bereit.
Abschnitt 08
Re-Audit-Zyklus und Überwachung
TISAX-Zertifikate sind 3 Jahre gültig. In dieser Zeit gibt es KEINE Surveillance-Audits, anders als bei ISO 27001. Aber: bei wesentlichen Änderungen (z.B. neuer Standort, neue Datenklasse, größerer Sicherheitsvorfall) muss die Zertifizierungsstelle informiert werden, und ein Re-Audit kann erforderlich werden. Praktisch heißt das: kontinuierliche ISMS-Pflege ist erforderlich, auch wenn keine jährliche Prüfung stattfindet. Wir empfehlen quartalsweise interne Audits durch das ISMS-Team plus jährliche externe Status-Reviews durch einen Berater. Der Re-Zertifizierungs-Aufwand nach 3 Jahren ist typisch 60-70% des Erst-Zertifizierungs-Aufwands.
Abschnitt 09
Was im OEM-Audit konkret geprüft wird
OEMs (besonders BMW und Daimler) führen zusätzlich zu TISAX eigene Lieferanten-Audits durch, typisch alle 2-3 Jahre. Im OEM-Audit wird über TISAX hinaus geprüft: (a) Praktische Anwendung der Sicherheits-Maßnahmen, nicht nur Dokumentation. (b) Lieferanten-Konzentrations-Risiken (überlappend mit DORA-Anforderungen). (c) Notfall-Übungen mit nachweisbarer Durchführung. (d) Mitarbeiter-Interviews zu Awareness-Themen. (e) Stichproben-Tests an Schutz-Maßnahmen wie Crypto-Container, MDM-Konfiguration, Netzwerk-Segmentierung. Wer TISAX hat, besteht typisch auch OEM-Audits — wer TISAX-Findings hat, sollte mit OEM-Findings rechnen.
Abschnitt 10
Förderung kombiniert TISAX-Aufbau
Für Innovation-bezogene Aspekte kommt die ZIM-Förderung in Betracht (komplex zu beantragen, aber für FuE-intensive Zulieferer relevant). Wichtig: alle Förderungen müssen VOR Beginn der jeweiligen Maßnahmen beantragt werden. Wer schon angefangen hat, ist raus.
Wie DripBack diese Anforderungen technisch umsetzt: Trust & Compliance-Übersicht · DSGVO-konforme KI (Glossar).
Nächster Schritt
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