Whitepaper · Tech · Stand Mai 2026

Backup-Strategie für KI-Daten: Modelle, Embeddings, Logs

3-2-1-Regel angewandt auf KI-Setups. Welche Daten sind wertvoll, welche rege­nerierbar, wie sollte die Auf­bewah­rung gestaf­felt sein. Mit Restic-basierter Standard-Kon­figu­ration.

Beispiel-Szenario: Die Zahlen in diesem Whitepaper sind Richt- und Planungswerte zur Veranschaulichung, keine Messwerte aus Kundenbetrieb und keine Erfolgs-Garantie.

Einordnung

KI-Setups haben unterschiedliche Backup-Anforderungen je nach Daten-Klasse. Modelle sind regenerierbar (re-downloadbar), Embeddings sind teurer zu regenerieren (Stunden bis Tage), Logs sind compliance-relevant, User-Daten sind primär. Eine differenzierte Strategie spart Storage-Kosten und stellt die richtige Recovery-Zeit sicher.

Abschnitt 01

Daten-Klassen und Backup-Prioritäten

Vier Daten-Klassen in typischem KI-Setup: (1) Modelle (Modell-Dateien, Whisper, etc.): regenerierbar via Re-Download, max 4-8 Stunden Recovery. Backup einfach (versionsweise) nötig. (2) Embeddings (Vector-DB-Inhalte): teurer zu regenerieren, da Original-Dokumente erneut indexiert werden müssen. Recovery 8-24 Stunden ohne Backup. (3) Logs (Audit-Trails, Access-Logs, Error-Logs): compliance-relevant, müssen 30-90 Tage aufbewahrt werden. (4) User-Daten (Customer-Klartext, Mandanten-Akten, Inhalte): höchste Priorität, niemals verlieren. Pro Klasse unterschiedliche Backup-Strategie.

Abschnitt 02

3-2-1-Regel konkret

Klassische 3-2-1: 3 Kopien der Daten, 2 unterschiedliche Medien, 1 off-site. Konkrete Umsetzung bei DripBack-Standard-Setup: Kopie 1: Live-System auf Hetzner. Kopie 2: Hetzner Storage Box (1TB, 4 €/Mo). Kopie 3: Off-site auf Strato HiDrive oder Customer-NAS. Bei sensiblen Daten (Anwalt, Arzt): zusätzlich Customer-eigene externe Festplatte mit wöchentlichem Update für air-gap-Schutz vor Ransomware. Restic als Backup-Tool ist Open Source, sehr robust und unterstützt Encryption + Incremental.

Abschnitt 03

Snapshot-Häufigkeit pro Klasse

Empfehlung: Modelle bei jedem Update (selten, alle 2-3 Monate). Embeddings wöchentlich (Sonntag 02:00 Uhr). Logs täglich (rolling 90 Tage). User-Daten täglich + bei sensiblen Daten zusätzlich Hourly-Snapshots der letzten 24 Stunden. Restic unterstützt Snapshot-Pruning: alte Snapshots werden nach Schema automatisch gelöscht (z.B. 7 daily + 4 weekly + 12 monthly + 3 yearly).

Abschnitt 04

Encryption: zwingend

Alle Backups MUSS verschlüsselt sein. Bei Restic: AES-256-GCM mit Customer-eigener Passphrase. Wichtig: Passphrase nicht im Backup-Skript! Stattdessen via Environment-Variable oder Hashicorp-Vault. Bei Verlust der Passphrase sind alle Backups unwiederbringlich verloren — Passphrase muss in einem separaten, sicheren Ort gespeichert sein (Tresor, 1Password-Vault des Customers). Bei Anwalts-/Arzt-Backups: zusätzliche Hardware-Verschlüsselung der Storage-Box als Defense-in-Depth.

Abschnitt 05

Restore-Test: quartalsweise

Backups ohne Restore-Test sind wertlos. Standard-Empfehlung: quartalsweise Full-Restore in Test-Umgebung, mit Verifikation: Modelle starten, Embeddings funktionieren, User-Daten sind vollständig. Dauer pro Restore-Test: rund 4-8 Stunden. Dokumentation in Restore-Test-Protokoll mit Datum, beteiligten Personen, beobachteten Issues. Im DripBack-Wartungsvertrag ist der Restore-Test vorgesehen, durchgeführt gemeinsam mit dem Kunden.

Abschnitt 06

Kosten für 100 GB Backup-Volumen

Typisches KMU-Setup hat 50-200 GB Backup-Volumen (Modelle + Embeddings + Logs + User-Daten). Kosten: Hetzner Storage Box 1TB: 4 €/Mo. Off-site Strato HiDrive 500GB: 8-12 €/Mo. Restic-Lizenzen: kostenfrei (Open Source). Setup-Aufwand einmalig: rund 4-6 Stunden. Laufende Wartung: rund 30 Minuten/Woche für Monitoring (Backup-Erfolg, Alerts). Gesamt-Backup-Kosten für KMU-KI-Setup: rund 15-20 €/Mo.

Abschnitt 07

Ransomware-Schutz

Spezifische Maßnahmen gegen Ransomware: (1) Immutable Backups: einmal geschriebene Snapshots können nicht gelöscht werden für die Aufbewahrungs-Zeit (Restic mit Append-Only-Repository). (2) Air-Gap-Backup: physisch getrennte externe Festplatte, nur wöchentlich angesteckt. (3) Off-site mit anderem Anbieter: nicht alle Backups beim selben Cloud-Anbieter. (4) Multi-Faktor-Authentifizierung für Backup-Zugriff. (5) Versionierte Snapshots: bei Erpressungs-Angriff können ältere unbeschädigte Versionen wiederhergestellt werden. Diese Maßnahmen kosten zusätzlich rund 8-15 €/Mo, sind aber bei sensiblen Customer-Daten Pflicht.

Abschnitt 08

RPO und RTO definieren

Recovery Point Objective (RPO) und Recovery Time Objective (RTO) müssen pro Daten-Klasse definiert sein. Beispiel-Werte für KMU-KI-Setup: Modelle: RPO 7 Tage, RTO 4 Stunden. Embeddings: RPO 24 Stunden, RTO 8 Stunden. Logs: RPO 24 Stunden, RTO 24 Stunden. User-Daten: RPO 6 Stunden (oder geringer mit Hourly-Snapshots), RTO 2 Stunden. Diese Werte sollten im Backup-Konzept dokumentiert sein und der Customer-Erwartung kommuniziert werden.

Abschnitt 09

Logs für DSGVO und §203

Logs haben dual Funktion: technische Fehler-Suche + Compliance-Dokumentation. Standard-Aufbewahrungs-Fristen: Access-Logs 90 Tage (für Auditierbarkeit), Error-Logs 30 Tage, Audit-Trails 6 Jahre (für DSGVO Art. 33-Pflichten), Voice-Aufnahmen 24 Stunden (mit Customer-Einwilligung). Bei Anwaltskanzlei oder Arztpraxis: Audit-Trails 10 Jahre wegen Berufsrechts-Pflichten. Logs sollten getrennt von User-Daten gebackupt werden, weil sie unterschiedliche Aufbewahrungs-Fristen haben.

Abschnitt 10

DripBack-Backup-Service

DripBack bietet Backup-as-a-Service als Add-on: Standard-Konfiguration (Restic + Hetzner Storage Box + Off-site), Monitoring + Alerts, quartalsweise Restore-Test, jährliches Backup-Audit. Preis: 89 €/Mo bei Standard-Setup (bis 200 GB Backup-Volumen). Bei größeren Setups (über 1 TB): individuelle Preise. Im Lieferumfang: AVV-Anpassung für Backup-Storage, dokumentierte RPO/RTO-Werte, Encryption-Passphrase-Management mit Customer-Hoheit. Mehrere Customers nutzen dieses Add-on als Komplett-Lösung statt selbst zu konfigurieren.

Nächster Schritt

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